Zwischen zwei Gebäuden
Glasfaser überträgt kein Potenzial. Zwischen zwei Gebäuden mit getrennten Erdungsanlagen ist das kein Komfort, sondern der Grund, warum keine Kupferstrecke verlegt wird.
Lichtwellenleiter · Wien und Österreich
Glasfaser trägt heute alles, was zwischen Gebäuden und Standorten läuft: Datenverkehr, Telefonie, Kameras, Zutritt. Netzware verlegt, spleißt, konfektioniert und misst Lichtwellenleiter – und übergibt am Ende ein Messprotokoll statt einer Zusage.
Ein Lichtwellenleiter, kurz LWL, überträgt Daten als Licht durch eine Glasfaser statt als elektrisches Signal durch Kupfer. Das Licht läuft im Kern der Faser und wird vom umgebenden Mantel darin gehalten. Weil Licht übertragen wird und kein Strom, ist die Strecke unempfindlich gegen elektromagnetische Störungen, überträgt kein Potenzial zwischen zwei Gebäuden und erlaubt deutlich größere Entfernungen als Kupferverkabelung.
Aufbau
Ein LWL-Kabel führt selten eine einzelne Faser. Üblich sind Bündeladern mit je zwölf Fasern, farblich gekennzeichnet, damit an beiden Enden dieselbe Faser gefunden wird. Diese Kennung ist genormt und läuft in jedem Bündel in derselben Reihenfolge.
Die Regel aus der Praxis: Es werden mehr Fasern verlegt, als heute gebraucht werden. Das Kabel ist der günstige Teil, der Weg dorthin ist der teure. Wer eine Strecke aufgräbt oder durch ein Steigrohr zieht, tut das idealerweise einmal.
Einsatz
Nicht jede Leitung muss aus Glas sein. Diese sechs Fälle sprechen deutlich dafür.
Glasfaser überträgt kein Potenzial. Zwischen zwei Gebäuden mit getrennten Erdungsanlagen ist das kein Komfort, sondern der Grund, warum keine Kupferstrecke verlegt wird.
Vom Technikraum im Keller zu den Verteilern in den Etagen. Eine Faserstrecke im Steigrohr trägt spätere Bandbreiten mit, ohne dass erneut gezogen wird.
Standortkopplung über angemietete Faser oder eigene Strecke – etwa zwischen Zentrale, Lager und Produktion.
In Produktions- und Werkstattbereichen mit Frequenzumrichtern, Schweißanlagen oder großen Motoren liefert Kupfer sporadische Fehler, die sich kaum eingrenzen lassen. Glas nicht.
Zwischen Racks und zu den Speichersystemen. Kurze Wege, aber hohe Datenraten – dort arbeitet meist Multimode mit OM4 und LC-Duplex.
Eine Faser lässt sich nicht durch einfaches Anlegen abhören, ohne dass die Dämpfung messbar steigt. Ein sauber dokumentiertes Messprotokoll macht so etwas nachweisbar.
Singlemode und Multimode
Eine Singlemode-Faser nach G.652.D hat einen Kern von rund neun Mikrometern. Darin läuft das Licht auf einem einzigen Weg, ohne sich selbst zu überholen – deshalb trägt sie über Kilometer. Ihre Dämpfung liegt bei etwa 0,35 dB/km bei 1310 nm und rund 0,22 dB/km bei 1550 nm.
Eine Multimode-Faser hat einen Kern von 50 Mikrometern. Das Licht nimmt darin mehrere Wege gleichzeitig, was die nutzbare Länge begrenzt, dafür sind die Sender günstiger. OM4 trägt 10 Gbit/s über rund 400 Meter – im Gebäude und im Rechenzentrum reicht das weit.
Der Mantel misst in beiden Fällen 125 Mikrometer, das Coating 250 Mikrometer. Wer eine Faser in der Hand hält, hält also etwas, das kaum dicker ist als ein menschliches Haar – und entsprechend behandelt werden will.
Spleißen
Beim Schmelzspleißen werden zwei Faserenden abgesetzt, gereinigt, mit einem Faserbrecher plan gebrochen und im Spleißgerät zueinander ausgerichtet. Ein Lichtbogen zwischen zwei Elektroden schmilzt die Enden zusammen. Die Stelle wird mit einem Schrumpfschlauch geschützt und in der Kassette abgelegt.
Entscheidend ist die Vorbereitung, nicht der Lichtbogen. Ein schiefer Bruch, ein Fingerabdruck auf der Stirnfläche oder ein verschmutzter V-Nut-Halter kosten Dämpfung, die sich später nicht mehr wegdiskutieren lässt. Ein sauber ausgeführter Schmelzspleiß liegt unter 0,1 dB, in der Praxis meist zwischen 0,02 und 0,05 dB.
Zum Vergleich: Eine Steckverbindung bringt je nach Ausführung 0,2 bis 0,5 dB ein. Deshalb wird gespleißt, wo eine Verbindung dauerhaft ist, und gesteckt, wo sie gelöst werden muss.
Ablauf
Eine Faserstrecke entsteht in einer festen Reihenfolge. Wer einen Schritt überspringt, findet den Fehler später an der falschen Stelle.
Wo sind Technikraum, Verteiler und Endpunkte, welche Wege gibt es, welche Leerrohre sind belegt? Dabei entscheidet sich auch, wie viele Fasern verlegt werden – nachträglich Fasern zu ergänzen ist immer teurer als sie gleich mitzuziehen.
Innen- oder Außenkabel, nagetiergeschützt, brandschutzklassifiziert nach CPR, mit welchem Fasertyp und wie vielen Fasern. Für enge Radien in Steigrohren und Verteilern kommen biegeunempfindliche Fasern nach G.657 zum Einsatz.
Einziehen oder Einblasen, Befestigung, Zugentlastung, Einhalten des Mindestbiegeradius. Ein zu eng gezogener Bogen bricht die Faser nicht sofort, er erzeugt eine Dämpfungsstelle, die im Betrieb wandert.
Muffen, Spleißkassetten und Patchfelder werden bestückt, die Fasern gespleißt, beschriftet und aufgelegt. Jede Faser bekommt an beiden Enden dieselbe Bezeichnung.
Dämpfungsmessung über die gesamte Strecke und OTDR-Messung von beiden Seiten. Die Werte werden gegen das Dämpfungsbudget der geplanten Übertragungsstrecke gehalten – nicht gegen ein Gefühl.
Faserbelegung, Beschriftung, Messprotokolle. Diese Unterlagen sind das, was bei der nächsten Störung in fünf Jahren den Unterschied zwischen einer Stunde und einem Tag ausmacht.
Messung
Ein OTDR schickt kurze Lichtimpulse in die Faser und misst, was zurückgestreut wird. Aus der Laufzeit ergibt sich der Ort, aus der Höhe des Rückstreupegels die Dämpfung. Auf der Kurve wird jede Auffälligkeit sichtbar: der Startreflex am Messgerät, die gleichmäßige Dämpfung über die Strecke, eine Stufe an jeder Spleißstelle, ein Reflex an jeder Steckverbindung und der Abriss am Faserende.
Gemessen wird von beiden Seiten. Ein Spleiß zwischen zwei Fasern mit leicht unterschiedlicher Rückstreucharakteristik erscheint von einer Seite als Gewinn – was physikalisch unmöglich ist. Erst der Mittelwert beider Richtungen ergibt den tatsächlichen Wert.
Die Dämpfungsmessung nach IEC 61280-4-1 beziehungsweise 61280-4-2 ergänzt das um den Gesamtwert der Strecke. [MESSGERÄTE UND ÜBERGEBENE PROTOKOLLFORMATE ERGÄNZEN]
Leistungen
Von der einzelnen Spleißstelle bis zur vollständigen Strecke zwischen zwei Standorten.
Innen und außen, im Steigrohr, in der Trasse und im Leerrohr – einschließlich Zugentlastung, Befestigung und Einhaltung der Biegeradien.
Schmelzspleißen von Einzelfasern und Bündeladern, in Muffen, Spleißkassetten und Patchfeldern.
Patchfelder, Spleißboxen, Wand- und Rackverteiler, Muffen für Außenbereiche.
Pigtails und Kupplungen in LC, SC oder E2000, mit UPC- oder APC-Schliff je nach Anwendung.
Dämpfungsmessung und OTDR-Messung beidseitig, mit schriftlichem Protokoll je Faser.
Eingrenzen von Dämpfungsstellen, Faserbrüchen und fehlerhaften Steckverbindungen an gewachsenen Anlagen.
Faserbelegung, Beschriftung und Messwerte in einer Form, die auch Jahre später noch lesbar ist.
Auswahl und Inbetriebnahme der Transceiver und Switches an beiden Enden – die Faser allein überträgt noch nichts.
Für Arbeiten an fremden Anlagen und im öffentlichen Raum gelten gesonderte Voraussetzungen. Sprechen Sie uns darauf an.
Entscheidungshilfe
Beides hat seinen Platz. Die Frage ist nicht, was besser ist, sondern welche Strecke gebaut wird.
Für die Verkabelung innerhalb einer Etage und bis zum Arbeitsplatz.
Fazit: Am Arbeitsplatz und in der Etage bleibt Kupfer die naheliegende Wahl.
Für alles, was eine Etage, ein Gebäude oder ein Grundstück verlässt.
Fazit: Sobald Entfernung, Potenzialtrennung oder Zukunftssicherheit im Spiel sind, führt an Glas kein Weg vorbei.
In der Praxis entsteht meist beides: Glasfaser als Rückgrat zwischen Verteilern und Gebäuden, Kupfer von dort zum Arbeitsplatz.
Umgang mit der Faser
In einer aktiven Faser läuft unsichtbares Licht im Infrarotbereich. Es ist nicht zu sehen und löst keinen Lidschlussreflex aus – ein Blick in ein offenes Faserende oder in eine Kupplung kann die Netzhaut schädigen. Deshalb wird vor jeder Arbeit abgeschaltet, geprüft und erst dann geöffnet.
Der zweite Punkt sind die Faserreste beim Brechen. Sie sind wenige Millimeter lang, durchsichtig und brechen leicht in der Haut ab. Sie gehören in einen Restebehälter, nicht auf den Tisch und nicht auf den Boden.
Beides sind Gründe, warum Spleißarbeiten kein Nebenbei sind. Wer eine Strecke nur schnell zusammensteckt, spart eine Stunde und riskiert eine Störung, die sich über Jahre nicht zuordnen lässt.
Häufige Fragen
Spleißen bezeichnet das dauerhafte Verbinden zweier Glasfasern. Beim üblichen Schmelzspleißen werden die Faserenden abgesetzt, gereinigt, plan gebrochen und im Spleißgerät ausgerichtet; ein Lichtbogen verschmilzt sie zu einer durchgehenden Faser. Die Verbindungsstelle wird mit einem Schrumpfschlauch geschützt und in einer Kassette abgelegt. Ein sauber ausgeführter Spleiß liegt unter 0,1 dB Dämpfung.
Singlemode-Fasern haben einen Kern von rund neun Mikrometern; das Licht läuft auf einem einzigen Weg, wodurch große Entfernungen bis in den Kilometerbereich möglich sind. Multimode-Fasern haben einen Kern von 50 Mikrometern, das Licht nimmt mehrere Wege gleichzeitig – das begrenzt die Länge auf einige hundert Meter, macht die aktive Technik aber günstiger. Im Gebäude und im Rechenzentrum wird häufig Multimode eingesetzt, zwischen Gebäuden und Standorten Singlemode.
Ein Schmelzspleiß sollte unter 0,1 dB liegen; in der Praxis werden meist Werte zwischen 0,02 und 0,05 dB erreicht. Steckverbindungen bringen je nach Ausführung 0,2 bis 0,5 dB ein. Entscheidend ist nicht der Einzelwert, sondern das Dämpfungsbudget der gesamten Strecke: Es muss zu den Transceivern passen, die an beiden Enden eingesetzt werden.
Ein OTDR misst Rückstreulicht. Treffen an einer Spleißstelle zwei Fasern mit leicht unterschiedlicher Rückstreucharakteristik aufeinander, erscheint die Stelle von einer Seite als Verlust und von der anderen als Gewinn. Ein Gewinn ist physikalisch nicht möglich – erst der Mittelwert beider Messrichtungen ergibt den tatsächlichen Wert. Deshalb gehört zu einem belastbaren Protokoll immer die beidseitige Messung.
Ja, über eine Muffe oder eine Spleißbox, in der beide Kabel aufgelegt und Faser für Faser gespleißt werden. Jede zusätzliche Verbindungsstelle kostet allerdings Dämpfung und ist eine mögliche Fehlerquelle. Wo die Strecke ohnehin geöffnet wird, ist ein durchgehendes neues Kabel oft die bessere Entscheidung.
Mehr als aktuell gebraucht werden. Das Kabel selbst ist der günstige Teil eines Glasfaserprojekts, der Weg dorthin – Graben, Steigrohr, Brandabschottung, Arbeitszeit – der teure. Wer heute vier Fasern braucht und zwölf verlegt, zahlt beim Kabel wenig mehr und spart sich beim nächsten Ausbau den gesamten Weg.
Das hängt fast vollständig an der Trasse, nicht an der Faser. Eine Steigleitung mit vorhandenem Leerrohr ist an einem Tag verlegt, gespleißt und gemessen. Sobald gegraben, abgeschottet oder mit Dritten koordiniert werden muss, bestimmen diese Arbeiten den Zeitplan. Nach der Aufnahme vor Ort können wir das belastbar einschätzen.
Ja. Die Faserstrecke ist Teil der IT-Infrastruktur und wird gemeinsam mit Switches, Firewall und Servern betreut. Störungen lassen sich nur dann zügig eingrenzen, wenn Verkabelung und aktive Technik aus einer Hand dokumentiert sind. Mehr dazu unter IT-Wartung und Managed IT Services.
Die Faser ist ein Teil der Infrastruktur. Diese Seiten beschreiben, was daran hängt.
Der Überblick über Verkabelung, Netzwerk, Server und Standorte.
StandortvernetzungMehrere Standorte sicher und stabil verbinden.
NetzwerkbetreuungSwitches, VLAN und Dokumentation im laufenden Betrieb.
WLAN für UnternehmenAccess Points, Ausleuchtung und Betrieb – häufig an derselben Faser.
IT-AuditBestandsaufnahme einer gewachsenen Infrastruktur.
IT-WartungLaufende Betreuung von Netzwerk, Servern und Arbeitsplätzen.
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Wir sehen uns die Wege an, sagen Ihnen, welche Faser und wie viele davon sinnvoll sind, und übergeben am Ende ein Messprotokoll.
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